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Jugendsünden
Erzählung, Regensburg, 1996
ISBN: 3-927529-75-3
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Die schöne Regensburgerin
Grau hängen die Wolken ins Zimmer. Naß.
Ein trister Tag im November. Die doppelte Johanna löst
sich auf. Johanna von Orleans alias Ingrid Bergman alias
Renate von Walter, sie sinken ebenso in die Erinnerung
zurück wie Johanna, das Dienstmädchen meiner
Großmutter, das Mädchen mit der schrill kreischenden
Stimme und den flinken Augen:
„Soll ich erzählen, was du gemacht hast,
soll ich es sagen?" Mit dieser Drohung erpreßte
sie mich, daß mir das Blut ins Gesicht schoß
bis zu den glühenden Ohren.
In stoischer Weltuntergangsstimmung gab ich zurück:
„Tu's doch!"
Sie tat es nicht, sie schwieg.
Ein anderes Bild taucht auf: Ein anderes Mädchen.
Eine andere Frau. Sie war wunderschön. Ich sah
sie nur einen Augenblick lang, einen einzigen Augenblick.
In diesem Augenblick hat sich ihre Schönheit für
immer eingebrannt. Ein Augenbacchanal. Ein Augenautodafé!
Eine Selbstverbrennung der Augen. Eine Blendung der
Augenseele. Das ganze Leben: Ein Augen-Augenblick. „Die
schöne Regensburgerin". Ostern 1950. Der Berufsverband
Bildender Künstler hatte alle Maler und Bildhauer
der Stadt zu einem Wettbewerb aufgerufen, die schöne
Regensburgerin zu gestalten. In einem bildnerischen
Schöpfungsakt. Die ausgewählten Werke wurden
im Haus des Kunst- und Gewerbevereins in der Ludwigstraße
gezeigt. Das Publikum sollte entscheiden, welches Werk
die schönste Frau von allen wiedergab.
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